Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Täter waren kaum älter als die Schüler selbst

Weidigschüler besuchen KZ-Gedenkstätte Buchenwald – Unterstützt vom Wetteraukreis

Butzbach – Die KZ-Gedenkstättenfahrt nach Thüringen hat inzwischen einen festen Platz am Schuljahresende einer jeden Jahrgangsstufe 10 der Weidigschule gefunden, auch dank der verlässlichen Unterstützung durch den Wetteraukreis, der sich bereits seit Jahren mit einer maßgeblichen Bezuschussung an den Fahrtkosten beteiligt, wie die Schule berichtet. Die Schülerinnen und Schüler haben zu diesem Zeitpunkt nicht nur im Geschichtsunterricht intensiv über das Dritte Reich, den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust gesprochen, sie befinden sich auch in einem Lebensabschnitt, in dem sie erstmalig mit der Überlegung konfrontiert werden, wie es mit der Schule, vielleicht aber auch ohne sie weitergehen soll – ob sie Abitur machen oder eine Ausbildung oder doch erst einmal für ein Jahr ins Ausland gehen möchten.

Diese persönliche Situation sensibilisiert nicht nur besonders dafür, wie dramatisch davon abweichend die Lebensentwürfe derjenigen verlaufen waren, die eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden nicht überlebt hatten oder nach dessen Befreiung für immer gezeichnet waren, sondern auch dafür, in welcher Situation man sich selbst vor über 80 Jahren hätte befinden können. So bot der Rundgang über das Gelände den jungen Erwachsenen neben einer Nachzeichnung dessen, wie es wohl den ankommenden Häftlingen während der einzelnen Stationen ihrer Entmenschlichung ergangen war, auch erstmalig einen Einblick in den Lageralltag der Täter.

Tod und Terror für sogenannte Volksfeinde

Ebenso wie die anderen Lager des Dritten Reichs wurde Buchenwald von der SS geleitet, jenem, von Adolf Hitler bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts persönlich gegründetem Unterdrückungsinstrument, das Tod und Terror über die sog. Volksfeinde bringen sollte.  Man musste physischen und psychischen Standards genügen und sich ausdrücklich bewerben, um Mitglied der SS zu werden. Man tat dies, weil man früh gut verdienen, „dazugehören“ oder einfach nur sadistisch handeln wollte und weil der Staat, in dem man lebte, solche Motive sogar noch eigennützig förderte.

In einer Mischung aus Erstaunen und Entsetzen folgten die Weidigschüler den Ausführungen ihres Guides, der fachkundig zu berichten wusste, dass die meisten SS-Mitglieder in Buchenwald kaum mit der Schule fertig und nur zwischen 16 und 23 Jahren alt waren. Wegen ihrer meist fehlenden Volljährigkeit benötigten sie die Unterschrift ihrer Eltern, um ihre grausame Tätigkeit auf dem Ettersberg in der Nähe des ursprünglich so beschaulichen Weimars beginnen zu können.

Schließlich waren sich die an der über zweistündigen Führung Teilnehmenden einig, dass man auch den Tätern ihr durch und durch verbrecherisches Schicksal hätte ersparen können, wenn sich am Ende der Weimarer Republik nicht antidemokratische Bestrebungen durchgesetzt und die Nationalsozialisten nicht auch noch demokratisch legitimiert die tatsächliche Macht im Staat erhalten hätten.

pm

Butzbacher Zeitung, 08.07.2026

Weidigschüler vor dem alten und von ehemaligen Häftlingen angefertigten Modell des Konzentrationslagers Buchenwald mit Außengeländen.

KATJA KÄCHLER