Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Forschung in der Stratosphäre
Von der Butzbacher Weidigschule aus ist ein Ballon mit Messgeräten in die Stratosphäre gestartet. Die Schule hat an dem Forschungsprojekt „SkyMi – Mittelhessen hebt ab“ teilgenommen. Kurz nach dem Abheben des Ballons hat sich das Forschungsteam ins Auto gesetzt und ist dem Ballon gefolgt. Seine Fahrt führte ihn über die Landesgrenze hinaus, wo er dann abgestürzt ist. Wohin er geflogen ist und wie er geborgen werden konnte auf >>> Seite 23.
Von der Schule in die Stratosphäre
Von der Butzbacher Weidigschule aus ist ein Ballon mit Messgeräten in die Stratosphäre gestartet. In einer Höhe von über 39 Kilometern ist er in der Nähe von Bebra geplatzt – und wurde beim Fallen in einen Wald in Thüringen getrieben. Das Forschungsteam hat den Ballon und ein daran befestigtes Körbchen zwar einsammeln können, einfach war das aber nicht.
Von Sabrina Dämon
Butzbach – Am Ende wurde es knifflig. Mitten im Wald, kurz hinter der hessischen Grenze, hingen ein geplatzter Stratosphärenballon sowie eine Kiste mit Messgeräten in den Bäumen. Der Ballon war wenige Stunden zuvor an der Weidigschule in Butzbach gestartet. Dass er noch am selben Tag platzt und abstürzt, war klar. Dass es evtl. nicht ganz einfach wird, ihn einzusammeln, auch. Darauf waren Lehrerin Stefanie Nedwed und die Schülerinnen Ada Mengel und Hannah Röder vorbereitet. Sie hatten das Projekt initiiert, haben den Ballon gestartet und ihn bis zu dem Ort verfolgt, an dem er gelandet ist. Nun wollen sie ein „Jugend forscht“-Projekt dazu machen.
Noch am frühen Mittwochmorgen war es ungewiss, ob der Ballon startet. Das Wetter war unbeständig, und damit nicht sicher, ob die Bedingungen gut sind, um den Ballon in den Himmel zu schicken.
Ein Stratosphärenballon ist ein mit Helium gefüllter Ballon, der mit Messinstrumenten in Höhen von bis zu etwa 40 Kilometern aufsteigt – höher als Flugzeuge fliegen können, aber zu niedrig für Satelliten. Dadurch sind beispielsweise Messungen der Atmosphäre, von Strahlung oder des Klimas möglich.
Das war auch der Plan von Hannah Röder und Ada Mengel. In einem kleinen Ballonkörbchen hatten sie Messgeräte verpackt: Damit ist es möglich, mehrere Daten zu erfassen, etwa Druck und Temperatur. Zudem befanden sich darin ein Teilchendetektor sowie ein Myonendetektor (Myonen sind Teilchen, die durch kosmische Strahlung in der Atmosphäre entstehen).
Wie die Physik- und Mathe-Lehrerin Stefanie Nedwed sagt, ist das Projekt Teil von „SkyMi – Mittelhessen hebt ab!“ (eine Initiative, bei der auch hessische Unis mitmachen).
Mit dem Auto dem Ballon hinterher
Mit der Entscheidung, am Mittwochmorgen zu starten, begannen auf dem Sportplatz der Weidigschule die letzten Vorbereitungen: Schülerinnen und Lehrerinnen füllten den Ballon mit Helium. Als er voll war, befestigten sie das Körbchen und ließen ihn um kurz vor 12 in den Himmel abheben. Für wenige Minuten war er noch zu sehen, dann verschwand er über den Wolken .
„Wie lange ein Stratosphärenballon fliegt, hängt von der Windgeschwindigkeit und den Wetterverhältnissen ab“, erklärt Nedwed. „Er steigt hoch bis zur Stratosphäre, dann wird er mit dem Wind weggetrieben“, und bei einer gewissen Höhe, wenn sich das Gas im Inneren des Ballons weiter ausdehnt, platzt er.
Kurze Zeit später setzte sich das Forschungsteam ins Auto, startete auf die Autobahn und fuhr los. In die Richtung des Windes – die, in die auch der Ballon über den Wolken driftete.
Wie Nedwed berichtet, fuhren sie bis kurz hinter die hessische Grenze nach Thüringen, um den Ballon einzusammeln. Dort, 2 Stunden und 15 Minuten Autofahrt von der Weidigschule entfernt, war er mitten im Wald heruntergekommen (das Ballonkörbchen hatte einen kleinen Fallschirm gehabt). Der nächste Ort auf der Karte: Worbis. Rund 160 Kilometer Luftlinie in nordöstlicher Richtung von Butzbach entfernt. „Zuerst war der Ballon Richtung Göttingen geflogen, dann Richtung Leipzig“, sagt Nedwed. „Währenddessen war er auf über 39.000 Metern Höhe.“
Zurück auf der Erde wurde es allerdings schwierig, Ballon und Körbchen wieder einzusammeln. Beides hing im Baum fest – auf 14 Metern Höhe. Zwar war das Team gut ausgerüstet, sie hatten Kletterausrüstung, Bälle zum Abwerfen, Lampen und Schwimmsachen dabei, falls der Ballon in einem See gelandet wäre, doch für den 14-Meter-Baum half nichts davon.
„Nach etwa zwei Stunden hatten wir es mit der Unterstützung eines Unternehmers vor Ort geschafft“, erzählt die Lehrerin. „Er hatte Plastikrohre aus seiner Firma geholt, die wir dann noch an einen gefällten Baum geklebt und so einen sehr instabilen langen Stock gebaut haben, mit dem wir dann die Kiste ‚geangelt‘ haben.“
Am selben Tag, nach vielen Kilometern (in der Luft und im Auto) sind Forschungsteam, Ballon und Körbchen wieder zur Schule zurückgekehrt. Für die Schülerinnen geht es hier weiter: „Jetzt beginnt die Auswertung der Daten.“
Das Ballon-Projekt
Den Stratosphärenballon hat die Weidigschule von „SkyMi – Mittelhessen hebt ab“ bekommen. Initiiert wird das Forschungsprojekt von dem Schüler:innen-Forschungszentrum Mittelhessen gemeinsam mit der Technischen Hochschule Mittelhessen sowie der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Philipps-Universität Marburg und dem Forschungscampus Mittelhessen. Neben den Stratosphärenballons wurden zudem Wetterballons vergeben. Diese starten kommende Woche u. a. von Gießen, Marburg und Herborn.
An der Weidigschule waren neben Lehrerin Stefanie Nedwed noch Dr. Anke Ordemann die Hauptverantwortliche (Mathe und Physik, Leitung Fachbereich 3). Der pensionierte Lehrer Friedemann Graubner (Mathe und Physik) leitet die „Jugend forscht“-AG. Arthur Hildebrand war für die technische Umsetzung und das Programmieren des Raspberry Pie zuständig. Außerdem involviert: die Youtube‑AG von Jan Konen, die nicht nur den Start und die Bergung filmisch begleiteten, sondern in ihren Film auch Aufnahmen vom Flug einbauen wird.
Anmerkung der Schule:
Die Weidigschule dankt dem Förderverein und dem Verein der Freunde und Ehemaligen, welche den Flug durch Anschaffungen mit ermöglicht haben!
Butzbacher Zeitung, 12.09.2026



