Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Der Mensch im Mittelpunkt

Aktionstag an der Weidigschule zur unantastbaren Würde

Butzbach — Diskriminierung, Demokratie, Solidarität und politische Bildung: Das sind die Themen des Aktionstags für Menschlichkeit an der Weidigschule Butzbach gewesen. Das Ziel war, zu informieren, Bewusstsein zu schaffen sowie einen respektvollen Umgang in der Schule zu fördern. Über allem stand die Aufklärung und Sensibilisierung für Diskriminierung. Nationalsozialismus, Demokratie, Menschlichkeit und Politik. Die Oberstufenschülerinnen Sarah Ludwig und Lilia Meyer und die Mensch-ist-Mensch-AG (MiM) haben das Programm organisiert.
Zur Eröffnung hat sich die Schulgemeinde versammelt. Schulleiterin Barbara Plock hob die Relevanz der Grundrechte hervor, die für alle Menschen gelten sollen, ganz gleich welchen Geschlechts, welchen Glaubens oder welcher Ethnie.
Die Menschenwürde, das Recht auf freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, die Gleichheit vor dem Gesetz, die Freiheit des Glaubens und des Gewissens sowie das Recht auf freie Meinungsäußerung — für viele seien diese Grundrechte eine Selbstverständlichkeit.
Doch solle man sich in Erinnerung rufen, wie lange es gedauert hat, bis Deutschland sich eine solche Verfassung geben konnte, und wie viel Blut vergossen werden musste, um zu einer freiheitlich demokratischen Grundordnung zu gelangen.
Zu „Diskriminierung im Alltag“ erklärte die Schulleiterin, man sei oft mit Verhaltensweisen konfrontiert, denen unterschwellig Intoleranz und die Angst vor dem Andersartigen zugrunde lägen. Menschlichkeit heiße, sich solidarisch mit seinen Mitmenschen zu zeigen, für sie einzustehen und bei Ungerechtigkeiten und diskriminierenden Handlungen nicht wegzuschauen. Ganz gleich, ob sich ein solches Verhalten in Form von Rassismus, Sexismus, Queer-Feindlichkeit, AntisemitismuS oder Antiziganismus äußere, es gelte, Vorurteile zu bekämpfen, um der Forderung von Artikel 1 des Grundgesetzes gerecht zu werden: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Überleitend zum Thema „Lehren aus der Vergangenheit ziehen“ zitierte die Schulleiterin den Satz: „Nie wieder ist jetzt.“ Dieser setze voraus, dass man wisse, welche unmenschlichen Taten der deutschen Vergangenheit damit gemeint seien. Sie fragte, ob wirklich alle genug wissen, um potentielle Gefahren zu erkennen und diesen entgegensteuern zu können, um die freiheitlich-demokratische Grundordnung gegen Angriffe von außen und innen verteidigen zu können. Daher sei die Auseinandersetzung mit und die Information über diese Themen so wichtig.
Zu „Demokratien und Menschlichkeit in Gefahr“ genüge die Zeit nicht, so Plock, um alle Beispiele aufzuzählen, seien es Kriege oder extremistische Positionen, die im Internet verbreitet würden. Das Vertrauen in die Politik, solche Gefahren angemessen zu bekämpfen, gehe immer mehr verloren, sodass alle mehr denn je als Individuen gefordert seien, für demokratische Grundrechte einzustehen. Dies gelänge nur, wenn man gründlich informiert sei, um sich ein umfassendes und reales Bild von den Geschehnissen der Welt machen zu können.
Ein weiterer Punkt diene der Information darüber, wie Menschlichkeit die Demokratie schützen könne. Um heraufkommende Krisen zu bewältigen, seien vor allem der Zusammenhalt der Menschen untereinander und ein ausgeprägtes demokratisches Verständnis wichtig. Um die Grundrechte zu schützen, müsse man aktiv werden, solidarisch füreinander einstehen und die damit verbundenen grundlegenden Werte verteidigen.
Mitwirken in der Politik möglich
Der letzte Schwerpunkt des Aktionstages befasse sich damit, wie man Demokratie durch die Mitwirkung in der Politik gestalten, beeinflussen und verteidigen könne. Auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene sei es möglich, aktiv zu werden und sich zu engagieren. Ferner sei es wichtig, wählen zu gehen und damit der Bürgerpflicht nachzukommen, für die unsere Vorfahren so lange gekämpft haben.
Bürgermeister Sascha Huber lobte das Engagement der Weidigschule und betonte die Wichtigkeit von Menschlichkeit und die vielen Chancen, sie zu verwirklichen. Überall gebe es Gelegenheiten, an denen Menschlichkeit zum Ausdruck kommen sollte: im Beruf, an der Schule, im Klassenraum, auf dem Pausenhof. An allen Orten gelte es, füreinander einzustehen.
Die Schüler nahmen an verschiedenen vierstündigen Workshops teil. Über 20 externe Organisationen und 40 Referenten machten Angebote. Innerhalb der Klassenverbände gab es einen Austausch über Erlebtes und Gelerntes, bei dem viel positives Feedback von den Schülern gesammelt wurde: „Es war sehr interessant; mithilfe eines Zeitstrahls konnten wir sehen, wann welche Gesetze verabschiedet wurden“ (Demokratieverständnis). „Es gab viele praktische Übungen, zum Beispiel: Wie funktioniert ein Wahlkomitee (Kommunalpolitik). „Sehr gut und informativ, vieles wusste ich nicht“ (Rechtextremismus im Netz). „War gut strukturiert, hat neue Einsichten gebracht. Das Meinungsbild zu verschiedenen Alltagssituationen war gut“ (Rassismus). „Es war gut und abwechslungsreich gestaltet“ (Verschwörungstheorien). „Es war interessant und sehr informativ“ (Faschismus und Rechtsextremismus). „Es war gut strukturiert und spannend, man hat neue Dinge erfahren“ (Diskriminierung im Alltag). Sehr gut angenommen wurde die Möglichkeit für die Oberstufe, den Filmemacher Klaus Stern zu treffen und über seinen Dokumentarfilm „Watching You — Die Welt von Palantir und Alex Karp“ zu befragen.

pm

Butzbacher Zeitung, 07.03.2026

Blick in einen der vierstündigen Workshops am Aktionstag an der Weidigschule.

PM (3)

Die Referenten und Organisatoren haben den Aktionstag mit Inhalt gefüllt.

Filmemacher Klaus Stern stellt sich Fragen.