Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Sucht aus der Perspektive von Betroffenen

Requisit-Theater zu Gast an der Weidigschule Butzbach / Nach der Aufführung Gruppengespräche

BUTZBACH. Das Requisit-Theater gastierte an der Weidigschule in Butzbach. Der Vormittag zum Thema Suchtprävention stand unter dem Titel „Erst Spaß gehabt, dann nachgedacht“. Text + Foto: thg

BUTZBACH (thg). Ein roter Hintergrund-Vorhang mit dem Schild „Requisit“, zwei Stühle und vier Schauspieler — dies war gestern das Erscheinungsbild der Bühne in der Aula der Weidigschule in Butzbach. Das Requisit-Theater war mit einer Improvisations-Show zu Gast. Was zunächst mit einem munteren Spiel vor drei Klassen des neunten Jahrgangs begann, mündete in einen ernsten Teil mit dem Thema Suchtprävention. Der Vormittag stand unter dem Titel: ,Erst Spaß gehabt, dann nachgedacht“.
Die Weidigschule ist derzeit dabei, ihr Präventionskonzept zu überarbeiten und verschiedene Angebote auszuprobieren. Das sagten Stephanie Riebeling und Heidi Nieslony, die die Leitung der Veranstaltung hatten, die gestern und heute für alle Neuntklässler stattfand. Schulleiterin Annette Pfannmüller hatte eingangs die Theaterleute begrüßt.
Improvisierte Szenen, in denen die Schauspieler von Schülern zugerufene Begriffe einbauten oder Schüler spontan Worte assoziieren und einwerfen sollten wechselten beispielsweise mit phantasiereichen Abschnitten ab, wenn etwa die Wurst im Kochtopf zu sprechen beginnt und damit Verwirrung zwischen Mann und Frau stiftet‘.
Im Theater-Teil der Veranstaltung ging es zunächst um neutrale Lebensbereiche. Die Themen Sticht und Abhängigkeit kamen in den anschließenden Gruppengesprächen auf den Tisch. Sie fanden im „geschützten Rahmen“ ohne Lehrer mit den Akteuren statt. Die Besonderheit: Die Requisit-Schauspieler haben alle eine Sucht-Vergangenheit und können so aus der Perspektive eines Betroffenen zeigen, wie jemand in Abhängigkeit gerät und wie sich etwa die Schüler davor schützen können.
Dass die Schauspieler selbst die Sucht durchgemacht haben und wissen, wovon sie sprechen, ist für die Pädagoginnen ein großer Pluspunkt der Aktion. Sie treten den Schülern anders als belehrend gegenüber. Die Schüler erhalten ein besseres Verständnis davon, was Sucht ist, wie sie entsteht und welche Risiken mit Suchtmitteln verbunden sind. Zusätzlich ist das Thema auch im Biologie-Unterricht der neunten Klassen verankert.
In jedem Jahrgang der Weidigschule soll ein Präventions-Baustein stattfinden, teils läuft dafür noch die Findungsphase. Die Schulsozialarbeit läuft in den Klassen. Über Projekte wie „Alles klar“, in dem es um den Alkoholkonsum geht, wird dann auch gesprochen. Die Schüler sind dann gewissermaßen verpflichtet, direkt zu handeln und eine Zeitlang auf Alkohol zu verzichten. Dass darüber ein Gespräch stattfindet und jeder einzelne sein Verhalten reflektiert, ist dabei bereits ein wesentlicher Punkt. Auch die „rauchfreie Schule“ propagiert die Prävention. Gerade das Shisha-Rauchen werde oft verharmlost. Aber auch dies habe Folgen.
Offen ist Riebeling und Nieslony derzeit kein Drogenproblem an der Weidigschule bekannt. Sie wissen aber auch: „Die Polizei sagt, dass es mittlerweile in Hessen keine Schule mehr gibt, an der keine Drogen zu bekommen sind.“
Umso wichtiger sei es, verschiedene Modelle von Präventionsangeboten auszuprobieren, zu sehen, wie es bei den Schülern ankommt. Für das Gespräch der Neuntklässler mit den Schauspielern hoffen die Pädagoginnen, dass die Akteure eine Atmosphäre des Vertrauens schaffen, um offen über Sucht zu sprechen.

Die Schule bedankte sich bei der Betriebskrankenkasse der R+V aus Wiesbaden, die die Veranstaltung ebenso ermöglichte wie die Förderung aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“.

Butzbacher Zeitung, 19.02.2020