Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Persönliche Erfahrungen spielen große Rolle in den Siegertexten

Drei Preisträgerinnen lasen in der Weidigschule und erzählten von ihrem literarischen Schaffen

BUTZBACH. Seba Habibyar, Anna Cijevschi und Laura Nold stellen sehr persönliche Texte bei ihrer Lesung in der Weidigschule vor.

ITZBACH (pm). Ob Trennung der Eltern, Auszug von zu Hause oder das Zusammenleben mit der berufstätigen Mutter – persönliche Erfahrungen spielen eine große Rolle in den Siegertexten des Ovag-Jugendliteraturpreises 2019. Hintergrund für tiefgründige, nachdenklich stimmende und auch mal zum Schmunzeln bringende Texte, die drei Preisträgerinnen jetzt an der Weidigschule in Butzbach im Rahmen der Lesetournee in der Region vorstellten. Vor Schülern aus der Oberstufe lasen sie ihre Sieger-Geschichte aus dem Buch „Gesammelte Werke“ der aktuellen Preisträger und erzählten von ihrem literarischen Schaffen. Die 23-jährige Laura Nold aus Grünberg hat mit „Zuhause“ den ersten Platz belegt. Sie schreibt darin einfühlsam über eine junge Frau, die nach ihrem Auszug zum Studi= um ins Elternhaus zurückkehrt und sich dort fremd fühlt – in pointierten Dialogen und Szenen führt sie das gestörte Familienverhältnis vor und nimmt den Zuhörer emotional mit in diese Welt der „Nicht-Kommunikation“ – „wo man nicht ausspricht, was man sagen will und nicht sagen will, was man ausspricht“, wie sie ihre Idee hinter dem Text beschreibt. Selbst erlebt hat Laura Nold das so nicht, stand aber an der Schwelle zum Studium, als sie den Text schrieb und sich viele Gedanken machte über Kommunikation und Familienverhältnisse.
Ihre Trauer und ihren Zorn herauslassen hingegen wollte die 18-jährige Seba Habibyar aus Bad Nauheim in dem Text „Du“, die über ihre Beziehung zu ihrem Vater schreibt, der sich von der Familie getrennt hat und jetzt auf der Suche nach einem neuen Zugang zu seiner Tochter ist. „Das jetzt vorzulesen, macht mir nichts aus“, sagt sie. Vielmehr sei das Schreiben für sie ein Ventil, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten.
Die 22-jährige Anna Cijevschi aus Gießen hat vor etwa drei bis vier Jahren ebenfalls einen sehr persönlichen Text geschrieben, über ihre  Kindheit, in der sie mit ihrer Mutter, die immer arbeiten musste, auf engstem Raum zusammengelebt hat. Der Text „Zimmer teilen“ streift über einen Zeitraum von über 20 Jahren die gemeinsame Zeit von Wohnung zu Wohnung, beschreibt das Mädchen und später die junge Frau, die immer unabhängiger wurde, bis sich das Leben schließlich eher wie in einer WG denn wie ein Mutter Tochter-Verhältnis anfühlt. Anna Cijevschi hat ihren Text sich entwickeln lassen, bis er schließlich nur wenig Autobiographisches hatte dafür aber intensiv und dicht geworden war — unter anderem auch im Lektorat, das alle Ovag-Jugendliteraturpreisträger mit ihren Texten im Rahmen eines Workshops durchlaufen. Anna ging es vor allem um den Zusammenhang von Räumen und der Beziehung zwischen Mutter und Tochter und wie sich beides verändert.
Das Buch „Gesammelte Werke“ mit den 23 Texten der Preisträger 2019 kostet 12 Euro und ist erhältlich unter der Telefonnummer 06031/ 68481193 sowie im Service-Zentrum der  OVAG-Gruppe (Hanauer Straße 9-13 in Friedberg). Die neue Ausschreibung zum Preis läuft bereits, Einsendeschluss ist der 15. Juli 2020. Mehr zum Preis unter www.ovag-gruppe.de (Engagement / Jugend).

Butzbacher Zeitung, 19.02.2020