Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

In die Zeiten der Römer versetzt

POMPEJI Latein-Klassen der Jahrgangsstufe zehn der Weidigschule besuchen historische Stätten

BUTZBACH. Das Foto zeigt die Lateiner der Jahrgangsstufe zehn der Weidigschule vor einem der gut erhaltenen Tempel des antiken Paestum, neben Pompeij und Herculaneum eines der Ziele der traditionellen Italien-Fahrt und Höhepunkt der bisherigen Latein-Karriere der Schüler. Text + Foto: amb

BUTZBACH/NEAPEL (amb). Nach vier Jahren Lateinunterricht stand für die Zehntklässler der Weidigschule die lang ersehnte Pompejifahrt an. Eines der Highlights der zehnten Klasse, für einige sogar der gesamten bisherigen Zeit des Latein-Lernens.
Die 22-stündige Busfahrt nach Meta die Sorrent verlief ohne größere Vorfälle. Vor Ort begrüßte der Golf von Neapel die Weidig-Lateiner mit bestem Wetter und direkt entdeckte die Gruppe den Vesuv. Von der Herberge „Bleu Village“ bei schönem Wetter sogar klar zu erkennen. Die Ursache, weshalb diese Studienreise seit über 30 Jahren an der Weidigschule stattfindet.
In Sorrento fielen die reichlichen Zitronenplantagen auf, aus denen später der bekannte Limoncello-Likör hergestellt wird. „Obwohl uns vor der Fahrt bereits erzählt wurde, dass wir bedient werden, war der Unterschied zwischen einer üblichen Jugendherberge und unserer Unterkunft deutlich sichtbar“, so sehr zufriedene Fahrtteilnehmer. „Abgesehen von der Tatsache, dass wir von Vor- bis Nachspeise bedient wurden, gab es sowohl jeden Tag Pasta und Nachtisch, der meist aus frischen Obst bestand zuzüglich zu dem Hauptgang.“
Am zweiten Tag startete der Kulturteil der Reise. Für alle ging es über 2000 Jahre zurück in die Antike, in die Stadt Herculaneum im Jahr 79 nach Christus. Von der Oberschicht der römischen Gesellschaft bewohnt und den pyroklastischen Strömen des Vesuvs zum Opfer gefallen, liegt sie heute noch zu großen Teilen ungefähr 20 Meter unter dem heutigen Ercolano.
In den Ruinen machten sich die Schüler zum ersten Mal so richtig ein Bild vom römischen Leben. Später ging es zum Vesuv. Er überragt heute mit seinen knapp 1200 Metern zwar immer noch die Gegend um Neapel, aber im Vergleich zu den ursprünglichen 2000 Metern ist er bei weitem nicht mehr so groß, die Erscheinung aber dennoch imposant.
In den nächsten Tagen führten das Programm und die begleitenden Lehrkräfte Despina Aslanidou, Eva Henkelmann und Benedikt Kahnert durch die Ausgrabungen von Pompeji und Paestum. Pompeji, als Namensgeber der Studienfahrt, wurde komplett durch den Ausbruch des Vesuvs verschüttet und später auch wieder komplett ausgegraben. „Auf unebenen Wegen und unter der brennenden Mittagssonne Italiens versetzten wir uns in das Leben der Römer oder einer Römerin. Die Bauzäune oder Absperrungen aus unserer Zeit störten da ein wenig und machten aus der Stadt ein großes Labyrinth“, waren sich die Fahrtteilnehmer einig.
Als letzte Ausgrabung stand das Atlantis der Römer mit griechischem Einfluss, Paestum, auf dem Programm. Es wurde durch neue Handelsstraßen vergessen und ist dank des moorigen Bodens „versunken“. Dadurch sind die Tempelanlagen ziemlich gut erhalten. Für moderne Menschen fast unvorstellbar, dass die Menschen damals ihren Göttern so monumentale Gebäude bauten und viele Opfergaben darbrachten. Ganz nach dem römischen Prinzip „do ut des“, was wörtlich übersetzt soviel bedeutet wie: ich gebe, damit du gibst.
Ein Besuch der Insel Capri und der Stadt Neapel scheint nicht sehr viel mit Römern und Pompeji zu tun zu haben, aber die Verbindungen wurden immer wieder geschaffen. Sei es mit der Besichtigung der Villa Jovis auf Capri, die zu den zwölf Villen des Kaiser Tiberius auf Capri gehörte, oder der Besuch der Katakomben
unter Neapel — 43 Meter unter der Stadt. Um die Verbindung zur Antike zu finden, endete die Führung in einem Theater, von dem Reste in einem Privathaus gefunden wurden. Kurzerhand wurde dort weiter geforscht
Capri als Insel mitten im Golf von Neapel und schon sehr lange als Insel der Reichen und Schönen bekannt, bildete den Gegensatz zu Neapel. Neapel war zwar einst eine Königstadt und glänzt auch mit dem Dom des San Gennaro oder dem vielfältig ausgestattetem Nationalmuseum, wartet aber sonst eher mit engen Gassen, Dreck und Müll auf.
Capri dagegen erlaubte es im Schatten die Insel und besonders die Spuren der Antiken zu erforschen. So wurden insgesamt sehr viele Stufen erklommen und 28 000 Schritte gemacht.
Der größte und wahrscheinne erfreulichste Programmpunkt allerdings noch bevor. Butzbachs Meta di Sorrent trennen gut 1500 Kilometer, die es wie schon auf Hinfahrt möglichst gut gelaunt 22 Stunden heil zu überstehen gilt.

Butzbacher Zeitung, 28.06.2019