Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

„Homologie“-Unterricht an Weidigschule

PRÄVENTION Besonderes Schulfach mit „Malte Anders“ gegen Ausgrenzung und Mobbing Homosexueller

BUTZBACH. Mit einem Plädoyer für Toleranz gegenüber Homosexuelle trat Malte Anders gestern in der Aula der Weidigschule auf. Text + Foto:

BUTZBACH (thg). Ein besonderes Schulfach erlebten gestern die Weidigschüler der zehnten Klassen mit einem ganz besonderen Aushilfslehrer: Malte Anders lehrte eine Schulstunde lang „Homologie“ und streifte dabei nicht nur das Fach Biologie, sondern auch unter anderem Englisch und „Mathe“. All das stand unter dem Oberthema Homosexualität, Ausgrenzung und Anders-Sein. Für Fragen, die am Ende offen blieben, hatte der junge „Pädagoge“ im Anschluss ebenfalls noch Zeit.
Schulleiterin Annette Pfannmüller hatte Anders begrüßt und den Schülern gewinnbringende Einsichten gewünscht. Anders trat im Rahmen des Präventionskonzepts an der Weidigschule auf, das sich derzeit im Aufbau befindet und von Stephanie Riebeling und Heidi Nieslony begleitet wird. Die Kosten der kabarettistischen Vorstellung trug das Bundesprogramm „Demokratie leben“.
Mit seiner Sprache, seinen Pointen und seinem Auftreten zielte Anders – der Name ist Programm, denn hinter der Figur steckt der Theaterpädagoge Timo Becker – in die Lebenswelt der Zehntklässler, also der etwa 15- bis 16-Jährigen, die auch aufmerksam das Geschehen verfolgten.
„Er spricht das aus, was die Jugendlichen denken“, sagte Nieslony.
Gleich zu Beginn machte der Aushilfslehrer klar, dass die Sprache trügerisch sein kann. Die Beschimpfung „Homo“ für Homosexuelle führte er zurück auf die lateinische Bedeutung des Worts „Mensch“. In der Schule ist der raue Umgangston auch ein Thema, wie Pfannmüller und Nieslony berichteten, beispielsweise wenn „schwul“ als Schimpfwort verwendet werde. Den Schülern seien die Zusammenhänge allerdings nicht klar.
Und Anders brachte die Begriffe „Schwuchtel“ und „schwule Sau“ auf die Bühne. Dabei deckte er humorvoll auf, dass das weibliche Schwein wohl kaum schwul, also männlich homosexuell sein kann. Dennoch identifiziert er solche Beleidigungen auch als Grundlage von Mobbing und Ausgrenzung. Eine Basis seien Vorurteile. Der Mensch wolle alles und jeden in eine Schublade einteilen. Wenn für etwas keine Schublade gefunden werde, „explodiert das Gehirn“ und der Mund „verselbständigt“ sich.
Neben den Ausflügen ins Tierreich mit homosexuellen Pinguinen, Delfinen oder Affen führte der Comedian auch an, dass geschätzt 8,1 Millionen Menschen in Deutschland homosexuell sind. Er erzählte auch die Geschichte von Malte Anders, der per Zufall in der Schule geoutet wurde, worauf die Mitschüler teils fragend, aber auch ablehnend reagierten. Die Eltern hätten sich nur schwer damit abgefunden, seine Oma habe allerdings schon lange gewusst, dass er schwul sei. Auch prominente Beispiel für Homosexualität führte er an, darunter den ehemaligen Fußballprofi Thomas Hitzlsperger. Er habe sich erst nach dem Karriereende geoutet, in der Frauennationalmannschaft hätten sich indes bereits Spielerinnen zur Homosexualität bekannt, zeigte er als Unterschied auf.
Dass es absurde Theorien über die Ursache von Homosexualität gibt, machte Anders deutlich, als er zwei „Uberraschungseier“ präsentierte.
Eins sei „normal“, das andere, rosa dekoriert, für Mädchen. Er reichte es einem der Zehntklässler, der das Schokoladenei später essen sollte, die Mitschüler sollten dann in den nächsten Tagen beobachten, ob er sich vielleicht ändert und schwul wird.

Butzbacher Zeitung, 13.11.2019