Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Vor 170 Jahren verblutete Weidig in seiner Gefängniszelle in Darmstadt


BUTZBACH (vk). Am 23. Februar, vor 170 Jahren, starb Dr. Friedrich Ludwig Weidig im Arresthaus in Darmstadt. Soweit die lapidare Mitteilung, hinter der sich allerdings einiges mehr verbirgt. Der am 15. Februar 1791 in Oberkleen (heute Ortsteil von Langgöns) geborene Alexander Friedrich Ludwig Weidig, so der vollständige Name, hat ohnehin in seinem kurzen Leben einige Fragen hinterlassen bzw. aufgeworfen.

Die Geburt Weidigs ist durch das Oberkleener Kirchenbuch belegt. Demnach wurde Weidig morgens um sieben Uhr geboren und auch seine Taufpaten werden dort einzeln aufgeführt. Die Weidigs, ausschlaggebend waren berufliche Gründe des Vaters, der Oberförster in Staatsdiensten war, übersiedelten schon bald ins benachbarte Cleeberg. 1803 siedeln die Weidigs von Cleeberg nach Butzbach, wo endgültig ein neuer Lebensabschnitt für Weidig beginnt. In Butzbach besucht Weidig als Knabe die Lateinschule. Drei Jahre lang hat er die Butzbacher Stadtschule besucht, ehe er sich von April bis September 1808 auf dem Pädagogium in Gießen auf ein Studium vorbereitet. Von 1808 bis 1811 studiert der junge Weidig u.a. Theologie an der Landesuniversität in Gießen.


Das Geburtshaus Weidigs in der Oberkleener Hauptstraße

Weidig wurde dann Konrektor in Butzbach und promovierte am 23.12.1822. Bereits im März 1812 erhält er die Konrektorstelle in Butzbach. Hier setzen nun seine politischen Aktivitäten ein. Weidig setzt sich kritisch mit seiner Umfeld auseinander, sieht vor allem die eklatanten sozialen Unterschiede, sieht, dass die Öbrigkeit nur allzu gut lebt und der, überwiegende Teil der Bevölkerung in eher dürftigen bis miserablen Verhältnissen dahin vegetiert.


Am Oberkleener Rathaus erinnert diese Tafel an den großen Sohn des Dorfes.

Weidig hat bald eine Gruppe von Gleichgesinnten um sich vereint und wird zu einer Schaltstation oppositioneller Strömungen gegen die bestehende, weil ungerechte Ordnung. Als Lehrer und Pfarrer wirkt er in Butzbach mit seinen Turnübungen und Ideen auf die Jugend ein. Weidig favorisiert in seinem Unterricht die demokratische Verfassung und stellt sie als die bessere gegenüber der herrschenden monarchisch-repräsentativen heraus. Oppositionelle Bewegungen wie etwa die "Gießener Schwarzen", denen Weidig angehörte, wurden bald verboten. Im Untergrund arbeitete Weidig mit seinen Gleichgesinnten weiter, war also nach modernem Verständnis sogar eine Art Terrorist. In Flugschriften wurden die Missstände aufgezeigt. Aufgrund der Karlsbader Beschlüsse (20.9.1819) wurden sowohl die Burschenschaften als auch das Turnen verboten.


Die bekannteste von Weidig verfasste Flugschrift ist "Der Hessische Lanbdbote"

Weidig blieb den Behörden nicht unbekannt, doch eine erste Vernehmung verlief ohne Ergebnis. Von 1812 bis 1823 nimmt er die Konrektorstelle in Butzbach ein. Von 1823 bis 1826 verwaltet er die Stelle eines Rektors. Erst am 28. Dezember 1826 wird der mittlerweile promovierte Dr. Friedrich Ludwig Weidig zum Rektor der Schule in Butzbach befördert. Diese Position nimmt er bis 1834 ein. In diesen gut sieben Jahren wird er zum Mittelpunkt der republikanisch-demokratischen Bewegung hierzulande. Es entstehen seine bedeutendsten Flugschriften, die die Missstände im Staat aufzeigen. Die bekannteste Flugschrift ist „Der Hessische Landbote", den er mit seinem Freund Georg Büchner verfasst hat.


Das "Weidighaus" am Butzbacher Kirchplatz.


Von 1827 - 1834 lebte Weidig mit seiner Familie in der Langgasse 18-20 in Butzbach.


Der "Weidigstein" auf dem Butzbacher Schrenzer.

Am 5. April 1834 wird Weidig strafversetzt nach Obergleen (Ortsteil von Kirtorf / bei Alsfeld) und tritt die vakante Pfarrstelle an. Durch diese Maßnahme, Weidig in das relativ abseits gelegene Vogelsbergdörfchen zu versetzen, hofften die Behörden ihn aus dem Zentrum heraus zu haben, denn man hatte Vermutungen, aber keine Beweise. Doch Weidig setzt seine Arbeit im Untergrund fort. 1835 setzten wieder Verhaftungen gegen Oppositionelle ein. Georg Büchner flieht im März 1835 nach Straßburg. Weidig, der zunächst noch zuversichtlich ist, wird durch Verrat am 22. April 1835 zwischen vier und fünf Uhr morgens in Obergleen vom Alsfelder Kreisrat verhaftet.

Eine lange Leidenszeit in den Gefängnissen von Friedberg und hauptsächlich Darmstadt beginnt für Weidig. In quälend langen Verhören (in der Regel vier bis sechs Stunden) wird Weidig immer wieder vernommen. Der kluge Taktiker gab aber oft nicht mehr zu, als schon bekannt war. Vor Untersuchungsrichter Dr. Georgi spricht Weidig überaus wortgewandt und überlegt. In den Wochen und Monaten der Isolation und unter für Weidig erniedrigendsten Umständen wird der "einstmals gesunde, stolze Mann in den Mühlen des täglichen Strafvollzugs der Verhöre, Beschwerden, Perhorreszenzgesuche, permanenten Auseinandersetzungen mit dem Gefangenenwärter, durch das Erdulden von schweren Strafen, durch den gesundheitlichen Verfall, durch systematische physische wie psychische Quälereien deformiert und schließlich zerstört" (nach Friedrich Ludwig Weidig. Alltag und Epoche. Vortrag von Has-Joachim Müller, Darmstadt 1987, S. 30).

Auf diese Art und Weise in den Tod getrieben nimmt sich Weidig (mit einer Glasscherbe) das Leben in seiner delle im Gefängnis von Darmstadt und stirbt gegen 11 Uhr am 23. Februar 1837. So gesehen war, es Freitod, aber der Anteil vom Mord an Weidig durch die Behörden ist nicht weg zu diskutieren. Weidig wäre vielleicht im Sterbebett noch zu retten gewesen, doch die Behörden verzögern offenbar mutwillig eine rasche Hilfe und lassen ihn in seiner Zelle verbluten.


In Butzbach und Oberkleen (Foto) tragen Straßen den Namen Weidigs.


Die Butzbacher Weidigschule.

(c) by Butzbacher Zeitung, 26.02.2007

 

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