Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

"Immun werden gegen Angstmacher"

DISKUSSION    HR-Info-Redakteure zu Gast in Weidigschule / "German Angst" und ungewisse Zukunft



BUTZBACH. Juliane Orth (v. I.) und Daniel Sulzmann von HR Info stellten sich an der Weidigschule den Fragen von Fachlehrer Matthias Payer und der Schüler.
Text + Fotos: thg
 

BUTZBACH (thg). "Die Angst vor dem Terror ist in Butzbach angekommen", sagte der Fachsprecher der Fachschaft Politik und Wirtschaft an der Weidigschule, Matthias Payer, aus Anlass der HR-Info-Schultour zum Funkkolleg Sicherheit, die gestern am Schrenzer Station machte. Autorin Juliane Orth und Redakteur Daniel Sulzmann informierten rund 50 Schüler, die im kommenden Jahr Abitur machen, über Inhalte der Sendereihe und speziell das Thema "German Angst", das sich die Schüler in ihrer Bewerbung, mit der Miriam Stenzel von Lehrerseite erfolgreich war, um den zweistündigen Schultour-Besuch gewünscht hatten.

Payer hatte darauf hingewiesen, dass Angst vor Anschlägen auch die Weidigschule beträfen. So sei es um eine Kursfahrt nach Nizza gegangen, nachdem dort der Lkw-Anschlag auf eine Menschenmenge stattgefunden hatte. Außerdem sei diskutiert worden, ob nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin noch Fahrten im Advent nach Frankfurt stattfinden sollten.

"Die Deutschen gelten im Ausland als Angsthasen. Mit dem Begriff 'German Angst' wird auch gerne die 'typisch deutsche Zögerlichkeit' beschrieben", fasste Orth ihr Thema zusammen. "Sind die Deutschen tatsächlich ein Volk von Bedenkenträgern und Sicherheitsfanatikern?", ist die Frage über der Sendung, die Ende Februar ausgestrahlt wurde. Dass eine Menge Recherche für eine halbstündige Radiosendung notwendig ist, aber nur ein Bruchteil es tatsächlich auf Sendung schafft, machte die Journalistin deutlich. Und dies war ein weiterer Gesichtspunkt, den Orth und Sulzmann beleuchteten: Medien und Wahrheit. Dass es "die Wahrheit" schlechthin nicht gebe, sagte Orth. Aber wichtig sei die Qualität der Information, damit man ihr vertrauen könne. Gebe man den Begriff in der Internetsuchmaschine ein, gebe es unzählige Treffer "in 100 000 Richtungen". Und es sei nicht der erste Klick, der den Anspruch erfülle. Für ihre Recherche zur "German Angst" habe sie dann im Archiv recherchiert, Bücher gelesen und Expertenbefragt. In den 70er und 80er Jahren sei der Begriff im angelsächsischen Raum entstanden, weil die Deutschen Angst unter anderem vor Atomkraft und Waldsterben entwickelt hätten. Im Irak-Krieg hätten sie nicht an Bushs Seite kämpfen wollen und seien als Drückeberger charakterisiert worden. Jüngste wissenschaftliche Untersuchungen von Professor Heinz Bude zeigten eine "Gesellschaft der Drohungen", während die Generation der heute um die 50-Jährigen noch in einer "Gesellschaft der Versprechen" aufgewachsen sei. Unter anderem könne man auch die Formel "lebenslanges Lernen" als Drohung auffassen. Zudem bestehe das Gefühl, dass Qualifikationen und Abschlüsse niemals ausreichten.

Die Schüler gingen unterschiedlich auf diese Thesen ein, konkret bezogen auf ihre berufliche Zukunft. "Wenn man offen für alles ist, dann ist man auch flexibler im Leben", war eine Aussage. "Es geht immer weiter, dann kommt das Nächste, und in der Schule heißt es bei allem, dass es wichtig ist", sagte ein Schüler über die Anforderungen. Unverständlich sei es. einem Redner, warum manche Schüler studieren wollten, nur um einen besseren Job zu bekommen. Klar war einem weiteren, dass allein durch das Studium eine bessere Stelle nicht zu bekommen sei. Eine Mitschülerin unterstrich, dass die so genannten Skills, also Fähigkeiten über das rein fachlich-schulische hinaus", auch wichtig seien. „Das ist viel menschlicher" als zum Beispiel nur auswendig zu lernen. "Man kann nicht nur mit Noten, sondern mit der Persönlichkeit überzeugen." Und auch wenn man höre, dass Personalchefs diese "Skills" verlangen, sei es doch komplizierter. "Sie erwarten zum einen gute Noten und zum anderen noch weitere Fähigkeiten dazu."

Sulzmann, bis 2016 ARD-Auslandskorrespondent in Madrid, riet dazu, das Thema entspannter zu sehen. "Lasst Euch keine Angst machen." Wichtig sei es, wachsam zu sein und genau hinzusehen, wenn es um Informationen geht. "Das macht einen immun gegen Angstmacher."

(c) by Butzbacher Zeitung, 13.05.2017

 

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