PETER VOGEL

INTERAKTIVE OBJEKTE

8.5. - 28.5.2003


 

 


GALERIE 511

Weidigschule Butzbach, Im Vogelsang 8

Öffnungszeiten: vormittags während der Unterrichtspausen, donnerstags 18-20 Uhr,
sonntags 15-18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 06033-91170


 

 

Zusatzinformationen:

Artikel von Eckhard John:

Kybernetische Klangskulptur
Peter Vogel: Interaktive Objekte

Wer eine Ausstellung von Peter Vogel besucht, wird von elektronischen Klängen, von blinkenden und sich bewegenden Objekten begleitet, als wollten diese ihn regelrecht dazu auffordern, auf ihre Sensoren und Fotozellen Einfluss zu nehmen. Es sind vor allem die akustischen Objekte, die einen dazu verführen, selbst zum Akteur zu werden.

Peter Vogel (*1937) hat sich nach dem Physikstudium mit der Entwicklung medizinischer Geräte und mit Hirnforschung beschäftigt und dabei ein besonderes Interesse an neurobiologischen Vorgängen entwickelt. Dies brachte ihn auch in seiner künstlerischen Arbeit - er komponierte schon als 18-Jähriger elektronische Musik - zur Kybernetik, der Wissenschaft von den gesetzmäßigen Abläufen in Technik, Biologie und Soziologie. Peter Vogel hat sie für die Kunst entdeckt und dabei seit den 1970er-Jahren die Interaktion zwischen Werk und Betrachter zum konstitutiven Bestandteil seiner Arbeit gemacht. Eckhard John beschreibt dies näher anhand der Klangskulpturen, die Vogel selbst einmal als »materialisierte Partituren« bezeichnet hat.

 

Die langgezogenen Horizontalen der dünnen, verchromten Eisendrähte mit ihren kurzen, vertikalen Stabilisierungselementen wirken wie ein abstrahiertes System von Notenlinien und Taktstrichen, in das die kleinen elektronischen Teile (Kondensatoren, Transistoren, Widerstände, Dioden, Fotozellen und integrierte Schaltkreise) eingebaut sind - als wären es sorgsam komponierte Tonzeichen.

Gleichwohl zielt der Begriff der »materialisierten Partitur« bei Peter Vogel vielmehr auf die innere Struktur... auf ihre interaktive musikalische Konzeption. Vorgegeben ist ein jeweils genau bestimmtes musikalisches Material, welches der Objektbetrachter direkt aktivieren und bespielen kann. Bei Stimulierung der Fotozellen wird eine über Lautsprecher zu hörende Klangfigur ausgelöst. Basis dieser Klangfiguren sind primär rhythmisch strukturierte, repetitive Sequenzen. jede einzelne hat ihren eigenen Rhythmus und ihr eigenes Metrum. Die verschiedenen in sich vollständig determinierten Klangfiguren sind variabel abrufbar, der Betrachter kann damit improvisieren oder komponieren...

Vogel realisiert die Musik seiner Klangskulpturen allein mittels der im Objekt selbst vorhandenen Elektronik. Er verwendet keine Sampletechniken, Synthesizer oder Computer. Seine kompositorische Arbeit besteht in der Festlegung der Verlaufs-und Modifikationsmöglichkeiten des Klangmaterials. Vollendet wird die Aktion jedoch erst duich die Aktion und in Wechselwirkung inil dem Betrachter... Der Kunst-Rezipient wird zum Produzenten, zum Performer und Komponisten, zum aktiven Mitgestalter des Kunstwerks. Eckhard John


Zeitungsbericht:

GALERIE 511 ZEIGT

PETER VOGEL

Die Kunst-AG der Weidigschule, eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft, welche interessierten Schülern ein Forum zur Beschäftigung mit zeitgenössischer Kunst bietet, setzt ihre Ausstellungsreihe unter dem Namen Galerie 511 fort. Nachdem hier in den letzten 5 Jahren renommierte Künstler wie Dieter Brembs, Eckhard Kremers und Susanne Ritter bereits ausgestellt haben, wird nun der Freiburger Künstler Peter Vogel seine Werke der hiesigen Öffentlichkeit präsentieren.

Peter Vogel, der zuvor bereits in Tokio, New York, Toronto und anderen internationalen Orten ausstellte, experimentiert mit der direkten Interaktion zwischen Werk und Betrachter. Seine konstruktivistischen, vollständig aus elektronischen Bauelementen zusammengesetzten Objekte registrieren mit Sensoren die Aktivität des Betrachters und reagieren daraufhin ihrerseits durch Licht, Schall und Bewegung.

Peter Vogel studierte Physik, Psychologie und Philosophie und war lange Zeit in der Hirnforschung tätig. Hier entstand sein Interesse für kybernetische Systeme und die Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Neben der bildenden Kunst interessieren ihn moderne musikalische Konzepte, sowie Choreographie und Tanz. Peter Vogel gilt als Vorreiter und Wegbereiter der konkreten, interaktiven Kunst.

Neben weiteren Exponaten wird in der Ausstellung die sechs Meter, lange Rhythmic Sounds Klangwand zu erleben sein. Dieses Objekt registriert mit 18 Lichtsensoren den projizierten Schatten des Betrachters und erzeugt in Abhängigkeit von der Bewegung eine intensive, rhythmische Musik. Es entsteht Musik während und durch Bewegung.

Die Ausstellung wird am 8. Mai um 19 Uhr in der Weidigschule eröffnet. Zur Vernissage ist der Künstler anwesend und es findet ein Gespräch mit ihm statt. In den beiden darauf folgenden Wochen ist die Galerie bis zum 28. Mai jeweils in den Schulpausen, sowie donnerstags von 18 - 20 Uhr und sonntags von 15 - 18 Uhr geöffnet, oder nach telefonischer Absprache (06033-91170).


Vernissage-Impressionen:

 

 

 

 

 

 


Butzbacher Zeitung vom 12. Mai 2003:

Poetisierung des Technischen

Peter Vogels Licht-, Schall- und Bewegungsobjekt in der Galerie 511 der Weidigschule

BUTZBACH. Eine kleine, aber feine Ausstellung in der Galerie 511 am Weidig-Gymnasiurn macht mit einer Kunstart bekannt, die sich alternierend auf der Grenze zwischen Technik und Kunst bewegt. Diese als Kinetik bezeichnete Kunstform entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts und hat ihre Quellen im russischen Konstruktivismus. Zu ihren Vätern und berühmten Nachfolgern zählen Läszlö Moholy-Nagiy, Aleksander Rodtschenko, Calder, Tinguely, Rickey, Soto. Die Kunstobjekte von Peter Vogel reagieren auf Schattenwurf mit Licht, Schall und Bewegung.

Was sieht der Betrachter? Sieben filigrane waagrecht oder senkrecht verlaufende reliefartige Drahtobjekte, gespickt mit Dutzenden bis Hunderten von Fotozellen, Widerständen, Kondensatoren; Transistoren, komplexen Schaltungen. Rein äußerlich entfalten sie durch die feingliedrige Anordnung einen ästhetischen Wahrnehmungseffekt, also einen Kunstcharakter. Nicht wenig; aber das Statische, das tot an der Wand hängende Objekt wäre des riesigen Aufwandes nicht so recht wert. Erst indem der Besucher sich „einschaltet", und zwar durch Handbewegungen vor den Objekten, offenbaren diese ihre eigentlichen, zunächst verborgenen Qualitäten. Je nach Schattenwurf produzieren sie Töne, bewegen sich, zeigen ihren interaktiven Charakter. Sie müssen zum Leben erweckt werden.

Wozu sie dann fähig sind, demonstrierte der Künstler, studierter Physiker, äußerst eindrucksvoll, vor einer sechs Meter breiten, schmalen „Rhythmic Sounds"-Klangwand. Peter Vogel stand und bewegte sich wie der Dirigent eines Orchesters, und je nach Schattenwurf ertönten Melodien, elektronische Geräusche, eine einmalige musikalische Komposition; denn das Gehörte wäre kaum ein zweites Mal genauso wiederholbar. Der Schöpfer dieser „Musikorgel" strahlte vor Freude, die Betrachter staunten über die Reaktionen der Fotozellen, die ihre Impulse an Schaltkreise weitergaben und mit den anderen elektronischen Elementen eine unsichtbare Tätigkeit entfalteten.

Ohne das aktive Gegenüber eines Betrachters blieben die Arbeiten in ihrer Ruhephase, könnten als rein plastische Gebilde wahrgenommen werden. Erst in ihrer Präsentationszeit, hervorgerufen durch Interaktion, offenbaren sie ihre eigentliche Dimension und verknüpfen Materielles und Immaterielles. Eine Steigerung erhält diese für den Laien überraschende Hexerei noch dadurch, dass die Objekte zeitversetzt reagieren. Es gibt also keine kausalen, sondern immer unerwartete Ton- und Bewegungsantworten. Also: der Hexenmeister ist der agierende Betrachter, er provoziert Töne und Bewegungen, Rhythmik und Zeitmaß, sein Handeln löst das interne Funktionieren von Peter Vogels Interaktionsgebilden aus.

Der 1937 in Freiburg geborene Künstler, seit 1975 freischaffend, kann auf eine lange Reihe erfolgreicher Einzelausstellungen in Europa und Übersee zurückblicken, und jetzt auch in Butzbach. Das sollte jeder einmal gesehen haben: bis zum 28. Mai jeweils in den Schulpausen sowie donnerstags von 18.00 - 20.00, sonntags von 15.00 -18.00 Uhr. Lob und Dank für den Künstler, für den Initiator Hubert Soltau sowie die Teilnehmer an der Kunst-AG.

Hans-Joachim Müller


Butzbacher Zeitung vom 12. Mai 2003:

Wer's verpasst, ist selber schuld

Impressionen zur Ausstellung von Peter Vogel Licht in der Galerie 511 in der Weidigschule


BUTZBACH. Peter Vogels Objekte werden in der Galerie 511 der Weidigschule noch bis zum 28. Mai gezeigt.

BUTZBACH. Einer streckt vorsichtig den rechten Arm aus, als suche er Halt, greift aber nicht zu, schwenkt mit der flachen aufgestellten Hand nach rechts, hält inne, entdeckt seinen linken Arm; reckt ihn nach vorne links, tastet, hält wieder an einem scheinbar imaginären Punkt in der Luft, geht zwei Schritte nach links, wieder einen nach rechts, sieht starr nach vorne, Suchbewegungen seiner Hände in der Luft konzentriert dirigierend. Zwei Arme, nur! - hier könnte man mehr gebrauchen - andere kommen dazu, wollen assistieren außerhalb seiner Reichweite - springen dazwischen - „halt, lass mich!".

Fast werden die Schüler selbst zu Kunstwerken - auch sie kinetische Objekte, nein Subjekte natürlich, bewegt sind sie immer, aber heute anders, sie suchen ihre Bewegungen, suchen sie aus einer Fülle von Möglichkeiten, zielen daraufab, einen Schatten zu werfen - wohin? Auf filigrane, feingesponnene Gebilde, die an der Wand hängen oder an den Wänden des Raums aufgestellt sind: Eins davon sieht aus wie ein kostbares überdimensionales Collier, wie ein Halsschmuck für eine Riesenprinzessin, sechs Meter hat sie an die Wand gehängt, aus feinem Draht komponiert, mit farbigen kleinen Steinen, alle miteinander verbunden durch ein schimmerndes Geflecht glänzender Drähte, dazwischen am unteren Rand, in gleichmäßigen Abständen größere, dunkle Steine, sie glänzen.

Ist es das, was die Tänzer so verzaubert? Die Antwort ist der Klang! Antwort auf die Bewegungen der Menschen, die sich bemühen, im Vordergrund eines hellen Strahlers Schatten auf diese schwarzen Steine, die Fotozellen, zu werfen. Diese „antworten" mit Tönen und Klängen, jede Fotozelle „verwaltet" eine Klangeinheit, einen Rhythmus, einen Ton, eine Tonfolge, elektronisch erzeugt und ausgelöst durch den Schatten des agierenden Betrachters, der fasziniert von seiner eigenen Schattenwirkung, anfängt zu experimentieren, zu kombinieren, die Klänge abzufragen, zuhören-und sich dabei in trance-ähnliche Bewegung versetzt. Andere Objekte vereinzeln Töne, wie zum Beispiel eine Trommel, die nicht die Energie der schlagenden Hand auslöst, sondern ebenfalls der Schatten auf der Fotozelle am Fuße des schlanken, drahtigen Kunstwerks. Erkunden muss man sie, diese starren, feinen Gebilde, Spiegelungen in Bewegung versetzen, sie leben und klingen nur mit dem Betrachter, sie sollen entdeckt werden - wo kann er sich einschalten - was löst er aus?

„Sie wirken lebendig", „die Spiegel winken", „die Technik fasziniert", „es macht Spaß", „es sieht nach viel Fingerspitzengefühl aus", „bizarr und fremd", „sehr kompliziert", „es ist toll, dass man aus Technik Kunst machen kann", „Peter Vogel muss ein intelligenter Mann sein", „es ist gut, dass es Leute gibt, die so etwas erschaffen", „das habe ich noch nie gesehen", „der Rhythmus bringt einen dazu sich zu bewegen", „toll, dass es so etwas gibt!" - Schule in Galerie 511 !

Peter Vogel, geb.1937 in Freiburg,.freischaffender Künstler, Kinetiker mit Ausstellungen weltweit, bringt uns in Butzbach in Bewegung mit seinen bewegenden Objekten. Kommen und gucken in Galerie 511 bis zum 28. Mai in den Schulpausen und donnerstags von 18.00 - 20.00 Uhr, sonntags von 15.00 -18.00 Uhr. Hubert Soltau, Kunsterzieher und „Galerist" der Weidigschule hat es möglich.gemacht. Wer's verpasst, ist selber schuld!

Ky, 7c, Weidigschule


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