Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Schülern Geschichte näher gebracht

Podiumsdiskussion in der Weidigschule mit Vertretern des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold


Butzbach. Podiumsdiskussion in der Weidigschule anlässlich der Ausstellung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold

 

BUTZBACH (stk). Seit einigen Wochen kann man in der Weidigschule Butzbach die Ausstellung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten e.V. auf 18 Tafeln in der Schulaula besichtigen. Anlässlich der Ausstellung fand am Donnerstag eine Podiumsdiskussion innerhalb drei Unterrichtsstunden statt. Hier standen die folgenden vier Zeitzeugen und Geschichtskenner den Weidigschülern des Jahrgangs 12 und weiteren ca. 200 Geschichtsbegeisterte Rede und Antwort.: Dr. Volkmar Zühlsdorf, Vorsitzender des "Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold", Hans Bonkas, amtierender Vorsitzender des "Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" und gleichzeitig erster stellvertretender Vorsitzender der "Union deutscher Widerstandskämpfer - und Verfolgtenverbände e.V.", Georg Prinz, Vorsitzender der "Union deutscher Widerstandskämpfer - und Verfolgtenverbände e.V." und Bodo Heil, Geschichtsverein Butzbach und dadurch profunder Kenner der örtlichen Reichsbannergeschichte.

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold wurde am 22. Februar 1924 von vor allem Politiker/innen der SPD, der Deutschen Demokratischen Partei und des politischen Katholizismus gegründet. Es diente zum Schutz der jungen und gefährdeten Weimarer Republik. Die Bezeichnung des Vereins als "Bund aktiver Demokraten" stand für das von Anfang an verfolgte Ziel, sich aktiv für die Demokratie in Deutschland einzusetzen. Bis zur Auflösung des Reichsbanners im Jahre 1933 setzten sich über drei Millionen Mitglieder in Demonstrationen und Versammlungen für den Bestand der Republik ein. Fast einhundert Reichsbannermitglieder haben dabei für die Demokratie und die Gerechtigkeit ihr Leben verloren.

Die Podiumsdiskussion ist eine Veranstaltung im Rahmen der Zeitzeugenreihe des Faches Geschichte. Seit drei Jahren wird hierdurch versucht den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 10 bis 13 Geschichte lebendiger werden zu lassen. Durch eine solche Diskussion haben Schüler die Möglichkeit Fragen zu klären, die ihnen nicht in Büchern vermittelt oder beantwortet werden können. Genau wie dieses Mal.

Mit hohem Engagement berichteten die hochbetagten Männer Zühlsdorf, 90 Jahre, Bonkas, 82 Jahre, und Prinz, 81 Jahre, den Schülern über ihren Kampf gegen die Diktatur und den Extremismus. Auch nahmen die Herren erhebliche Kosten und Strapazen auf sich, da sie z.T. von weither gereist sind. Dies alles machten sie, um ihren Zuhörern eindringlich die Vorteile der Demokratie zu erläutern und näher zu bringen. Auch zum Besuch der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg und zum Seminar "Mit Zeitzeugen in Berlin auf den Spuren deutscher Geschichte" in Berlin wurden die Weidigschüler eingeladen.

Die Ausstellung in der Weidigschule dokumentiert den Einsatz und die Opfer der Reichsbannermitglieder und erzählt nochmals in Bildern und Informationstexten, was die Zeitzeugen den Schülern berichtet haben. Anlässlich des 75. Gründungsjubiläums wurde sie im Jahre 1999 konzipiert. Mit ihr soll der Kampf gegen das Vergessene weiter geführt werden. Denn wie Zühlsdorf vermeidlich sagte: "Ich weiß nicht, ob ihr euch erinnert ..."  wird unser heutiges Wissen wird immer nur aus Erzählungen anderer entstammen. Denn Fakten und Bilder aus Geschichtsbüchern können wir nachlesen, wir können uns aber nicht an Geräusche, Gefühle und Momente sowie einzelne persönliche Bilder erinnern. So wie nur noch wenige Zeitzeugen der damaligen Zeit um 1924.

Ein herzlicher Dank geht an die bemerkenswerten Herren und alle, die mitgeholfen haben, diese Veranstaltung durchzuführen.

(c) Butzbacher Zeitung, 26.08.2002

 

 

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