Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Interesse an alter Heimat Gambach

Helma Kilian berichtete an der Weidigschule über jüdische Geschichte des Stadtteils


BUTZBACH (pm). Zeitzeugen machen Geschichte auf besondere Weise erfahrbar, so auch jüngst an der Weidigschule Butzbach. Ein Bericht über die tatsächlichen Begegnungen mit anderen Religionen im Unterricht von Careen Faber: Nicht immer versteckt sich die Geschichte hinter Büchern oder Unterrichtsmaterialien. Am Ende des letzten Schuljahres brachte Helma Kilian sie selbst in unser Klassenzimmer. Die bald 75-jährige Gambacherin befasst sich seit fast 35 Jahren mit der Geschichte der Gambacher Juden und nahm sich die Zeit, unserem evangelischen Religionskurs der Jahrgangsstufe 11 von Angelika Prinz-Glöckler davon zu berichten.

Sie erzählte von Auswanderern, Rückkehrern und Flüchtlingen, die aus Gambach stammten und sich über ihre Herkunft sicher werden wollten. Anfangs ging es nur darum, die Häusernamen in Gambach herauszufinden und festzuhalten, doch nach einiger Zeit begannen sich ehemalige Gambacher bei ihr zu melden, und sie nahm Kontakt zum Beispiel nach Argentinien, Kroatien, den USA oder nach Manila auf. Oft konnte sie den Suchenden weiterhelfen und manchmal reisten diese auch an, um ihren Heimatort zu sehen und Geschichten von der damaligen Zeit und den Familien zu hören.

Zurückgezogen ist jedoch keiner der Geflohenen oder Deportierten. Die meisten haben ein neues Leben angefangen und schicken Helma Fotos und Briefe um von sich zu erzählen. Oft melden sich auch Journalisten und Heimatforscher aus ganz Deutschland, die versuchen etwas in Erfahrung zu bringen und oft ist Kilian eine große Hilfe bei ihrer Suche.

Sicher ist, dass eine Unterrichtsstunde von 45 Minuten bei weitem zu kurz ist, um ausreichend Wissen von Helma Kilian aufzunehmen. Für uns war diese Schilderung eine wunderbare Ergänzung zu den Exkursionen in diesem Halbjahr, dessen Thema unter anderem die Begegnung mit fremden Religionen vorsieht. Wir waren somit in der Westendssynagoge in Frankfurt, um jüdischen Mitbürgern zu begegnen sowie zu Gesprächen und zur Meditation im Frankfurter Tibethaus (Buddhismus).

Zudem wurden wir in der Friedberger Moschee von Dilara Yildirim, einer Mitschülerin aus der 12. Jahrgangsstufe fachkundig geführt und hörten unter anderem den Ruf des Muezzins. Ein Besuch in der Friedberger Mikwe, dem Judenbad und der Stadtkirche rundeten das Bild ab. Letztendlich lässt sich sagen, dass wir viel über verschiedene Religionen in unserer Gegend gelernt und dabei viel Wissen und Spaß mitgenommen haben.

(c) by Butzbacher Zeitung, 05.07.2012

 

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